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Guten Morgen,

gestern saß ich in einem urigen Restaurant und löffelte meine Suppe vor mich hin, als ich plötzlich einige Tische weiter einen Hund entdeckte.

Er saß auf dem Stuhl und aß von einem Teller am Tisch mit.

Ich musste wirklich mehrmals hinschauen, bis mein Gehirn dieses Bild als real einordnen konnte. Es ging so eine Faszination von diesem Szenario aus, dass ich begann zu gaffen und gar nicht wegschauen konnte – ähnlich wie bei einem Verkehrsunfall oder bei Menschen, die sich sehr auffallend kleiden.

Es war spannend meinen Gedanken zuzuhören:

“Wie peinlich ist das denn!“

„Dass die Kellner so etwas zulassen.“

„Was müssen die Besitzer für ein psychisches Problem haben?“

„Wenn das jetzt Mode in Restaurants wird, dann esse ich nur noch zuhause.“

„Was isst der Hund da eigentlich genau?“

usw.

Irgendwann stellte ich fest, dass ich dem Hund gar keine Chance gab und begann die Gedanken in andere Richtungen zu lenken:

„Was geht wohl gerade im Kopf des Hundes vor?“

„Er ist bestimmt stolz wie Bolle.“

„Der Hund übernimmt gerade die Rudelführung.“

„Der Hund hat die besten Tischmanieren.“

„Wie kann der Hund den Menschen nur gestatten auch am Tisch zu essen?“

„Ob der Hund die Rechnung übernimmt?“

„Handelt es sich um ein Geschäftsessen?“

Plötzlich merkte ich, wie sich die innere Stimmung komplett veränderte.

Die Menschen betrachten immer seltener ihren Hund als Eigentum (was gut ist) sondern mehr als Familienmitglied (was genetisch fragwürdig ist), geben ihnen Namen, schließen Krankenversicherungen für sie ab, schicken sie in die Schule, fahren sie im Auto spazieren, gehen mit ihnen zum Frisör, kuscheln mit ihnen mehr als mit dem eigenen Partner oder Kindern, passen ihre Urlaubsziele entsprechend an, gehen an spezielle Hundestrände oder in Schwimmbäder, in denen Hund und Herrchen gemeinsam baden können.

Vielleicht wird es in Zukunft Restaurants geben, in denen Hund und Herrchen gemeinsam an einem Tisch sitzen oder am Boden gemeinsam aus einem Napf schlabbern – je nach Vorlieben des Hundes.

Am Ende des Tages bleibt wieder festzustellen:

Wenn etwas merk-würdig ist, dann entwickelt das Gehirn eine Eigendynamik und sorgt dafür, dass wir uns dauerhaft daran erinnern werden. Diese Geschichte werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen.

Suchen wir also das merk-würdige in den Dingen, die wir lernen möchten und erlauben wir unserem Gehirn, von selbst zu lernen.

Herzliche Grüße

Sven Frank