Guten Morgen,

heute erzähle ich dir von einer Einladung, die ich gestern erhalten habe:

Ganz modern über meine Facebook-Seite erhielt ich folgende Anfrage:

„Hallo Sven, wir haben mit ein paar Leuten seit einiger Zeit eine WhatsApp Gruppe für unseren Abi-Jahrgang. Am langen Fronleichnam-Wochenende wollen wir unser 25-jähriges Abitreffen veranstalten und es werden verschiedene Ideen besprochen.

Frage: Können wir dich mit Handynummer hinzufügen?“

Mein erster Gedanke: Oh mein Gott!

Oh mein Gott bin ich alt.

Oh mein Gott, 25 Jahre lang hatte ich Ruhe vor denen.

Oh mein Gott, wie mag die kleine Tanja wohl jetzt aussehen.

Oh mein Gott, aber hoffentlich kein Treffen an einer Grillhütte.

Oh mein Gott, mit welchem Auto soll ich vorfahren.

usw.

Ich entschied mich, meine Handynummer freizugeben und der Dinge zu harren, die da kommen.

Dennoch fand ich es faszinierend, wieviele Erinnerungen an die Schulzeit am gestrigen Abend lebendig wurden. Die Bilder zu den Namen in der WhatAspp Gruppe, die so gar nicht mehr zu den Profilbildern passen.

In der Gruppe sichtbare Handynummern mit Ländervorwahlen aus der Schweiz, den USA oder Australien und die automatisch beginnenden Überlegungen, wen es wohl dorthin verschlagen haben könnte und wer immer noch im Heimatort lebt.

Aber ich habe mich auch gefreut, jetzt endlich zu wissen, wie die Ländervorwahl von Australien ist und 30 neue Handynummern merken zu können – bis Fronleichnam.

Spannend sind auch die Nachnamen der ehemaligen Mitschülerinnen, die sich z.T. nicht geändert haben und ich mich dann frage wieso – oder auch nicht.

Ich frage mich auch, worüber wir uns unterhalten werden? Mein Haus, mein Boot, meine Kinder? Die „guten“ alten Zeiten? Die Lehrer?

Tatsächlich bin ich ziemlich unerfahren was Klassentreffen angeht, weil ich wie gesagt 25 Jahre lang froh war, diese Bagage los zu sein. Doch beim silbernen Klassentreffen ist das anders. Da überwiegt die Neugier. Manche habe ich schon überlebt und an der Auswahl der Speisen und Getränke an dem Abend werde ich wohl auch ausrechnen können, auf wen wir beim 50-jährigen verzichten müssen.

Auf jeden Fall war diese Einladung und die Gedankengänge, die daraus entstanden, ein Zeichen für automatisiertes Wiedererinnern. Und wie das so ist mit dem Abstand der Zeit: Es überwiegen die positiven Erinnerungen.

Mal schauen, vielleicht werde ich den ein oder anderen in den nächsten Tagen bei Google oder Facebook ein bisschen stalken. Vielleicht lerne ich tatsächlich die Handynummern der Gruppenmitglieder. Vielleicht lasse ich es aber auch einfach und hoffe, dass wir uns nicht an einer Grillhütte treffen, sondern in der Buschmühle.

In diesem Sinne genieße nun deine Erinnerungen an die Schulzeit und freue dich auf das nächste Klassentreffen.

Herzliche Grüße

Sven Frank